Wenn wir von Rollen sprechen, dann meinen wir Anteile in dir, die du dir über Jahre angeeignet hast. Muster, die du übernommen hast, von deinen Eltern, Großeltern oder von dem Umfeld, in dem du groß geworden bist.
Diese Rollen haben geprägt, wie du denkst, wie du fühlst, wie du handelst und wie du auf Dinge reagierst. Sie haben dir gezeigt, wie du zu sein hast, um dazuzugehören. Wie du dein Leben zu führen hast. Wie du die Welt betrachtest. Und genau daraus entstand deine heutige Weltanschauung.
Diese Rollen sind nicht zufällig entstanden. Sie waren einmal Schutzmechanismen und Überlebensstrategien, in Zeiten, in denen Sicherheit nicht selbstverständlich war. Zeiten, die geprägt waren von Krieg, Verlust, Mangel und Bedrohung. Diese Rollen sind entstanden, um den Familienfrieden zu sichern, um das System zusammenzuhalten. Zugehörigkeit ist überlebenswichtig, daher hast du diese Rollen als Kind übernommen, oft lange bevor du verstanden hast, was du da tust.
Diese Rollen sind heute noch allgegenwärtig in unseren Zellen gespeichert, in unseren Handlungen sichtbar. Sie wirken weiter, selbst wenn die Geschichte, aus der sie stammen, längst vorbei ist.
Vielleicht findest du dich in einer Rolle wieder, die vermittelt, die schlichten will und jede Spannung auffängt, bis sie selbst keine Kraft mehr hat. Vielleicht bist du die Ruhige, die beobachtet und schweigt, weil es sicherer war, nicht aufzufallen. Vielleicht bist du die Rebellische, die alles ablehnt, um sich zu schützen. Die Harmoniewahrerin, die sich anpasst, um geliebt zu werden. Die Verantwortungsträgerin, die alles hält, weil sie nur so das Gefühl von Sicherheit kennt. Die Loyale, die Familie über sich selbst stellt, egal wie hoch der Preis ist. Die Kontrollierende, die Halt über Ordnung sucht. Die Aufopfernde, die sich selbst verliert, weil sie glaubt, dass Liebe etwas ist, das man sich verdienen muss. Oder die Sensible, die alles fühlt und nichts von sich trennen kann.
Keine dieser Rollen ist falsch. Jede von ihnen hat dir einmal geholfen zu überleben. Aber keine dieser Rollen zeigt dein eigentliches Selbst. Sie zeigen nicht, wer du wirklich bist. Sie zeigen nur, wie du gelernt hast zu überleben und Zugehörigkeit zu spüren.
Und genau hier beginnt Veränderung, wenn du es möchtest. Du musst diese Rolle nicht weitertragen, nur weil sie in deiner Familie „normal“ wurde. Diese Rollen müssen nicht weiter dein Leben bestimmen. Du kannst wählen, ob du dieses alte Drehbuch weiterschreibst oder ob du deinen eigenen Lebensentwurf kreierst.
